5 strategische Entscheidungen für mehr Veränderungsfähigkeit im Jahr 2026
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Veröffentlicht: 28. April 2026
Nur 26 Prozent der Umstrukturierungen führen zu besseren Leistungen und nachhaltigen Ergebnissen. Für Unternehmensleiter, die jetzt ihre Budgets für 2026 planen, stellt sich daher nicht die Frage, ob Transformation stattfindet – sondern ob ihr Unternehmen in der Lage ist, sie erfolgreich umzusetzen.
Die aktuellen Marktbedingungen lassen wenig Raum für Fehltritte. Viele Unternehmen steuern mehrere wichtige Veränderungsvorhaben gleichzeitig, während sich 53 Prozent der Mitarbeitenden von der Menge an Veränderungen überfordert fühlen. Erfolgreich werden deshalb nicht die Führungskräfte sein, die die Zukunft am präzisesten vorhersagen, sondern diejenigen, die in ihren Organisationen die Fähigkeit aufbauen, sich schnell und wirksam an neue Bedingungen anzupassen.
Um besser zu verstehen, wie Unternehmen durch diese Herausforderungen geführt werden können, haben wir mit dem Führungsteam von Prosci gesprochen – darunter Verantwortliche aus den Bereichen Finanzen, Betrieb, Personal und regionale Führung. Aus ihren gemeinsamen Erfahrungen lassen sich fünf strategische Entscheidungen ableiten, die darüber bestimmen, ob Transformation echten Mehrwert schafft oder zum Budgetrisiko wird.
1. Veränderungskapazität als Infrastruktur finanzieren – nicht als Projektkosten
Viele Unternehmen behandeln Change Management noch immer als variable Projektkosten. In einem unsicheren Umfeld wie 2026 greift dieser Ansatz jedoch zu kurz – vor allem dann, wenn sich strategische Prioritäten schon im Laufe des Jahres verschieben.
Die Forschung von Prosci zeigt deutlich, welche finanziellen Folgen diese Entscheidung haben kann. Unternehmen mit einem sehr wirksamen Change Management erreichen ihre Projektziele deutlich häufiger als Unternehmen mit schwach ausgeprägtem Change Management. Der Unterschied ist erheblich – und genau darin liegt der geschäftliche Wert, der auf dem Spiel steht.
Korrelation zwischen der Wirksamkeit von Change Management und Zielerreichung
„Unabhängig davon, wie die Rahmenbedingungen aussehen: Menschen müssen ihr Verhalten verändern, damit die angestrebten Ziele tatsächlich erreicht werden“, sagt Romona Brown, Präsidentin von Prosci North America. „Genau das ist der Faktor, der immer gleich bleibt. Erst wenn echte Akzeptanz entsteht, lässt sich auch der erwartete ROI realisieren.“
Michelle Haggerty, COO von Prosci, bringt es aus Sicht von Führungskräften auf den Punkt: „Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir uns diese Investition leisten können, sondern ob wir es uns leisten können, darauf zu verzichten. Veränderung ist heute kein Ausnahmefall mehr, sondern tägliche Realität. Umso wichtiger ist es, die Zusammenarbeit zwischen Projektmanagement und Change Management bewusst und wirksam zu gestalten.“
Der Aufbau grundlegender Veränderungsfähigkeit bringt messbare wirtschaftliche Vorteile. Ist diese Fähigkeit einmal verankert, sinken die Aufwände pro Projekt und der Weg zur Wertschöpfung verkürzt sich. Unternehmen müssen dann nicht bei jeder neuen Initiative wieder ganz von vorn beginnen, sondern können auf vorhandene Erfahrung, eingespielte Strukturen und ein gewachsenes organisatorisches Muskelgedächtnis zurückgreifen.
2. Plane für die doppelte Realität von Transformation
Die Anforderungen an Transformation haben sich grundlegend verändert. Unternehmen stehen heute zugleich vor kontinuierlichen, häufig KI-getriebenen Veränderungen im Alltag und vor klar abgegrenzten strategischen Transformationsvorhaben. Mit einem einzigen Ansatz für Ressourcen und Planung lässt sich beides nicht wirksam steuern.
„Beides muss parallel gedacht werden“, sagt Laura McGann, Chief People Officer bei Prosci. „Unternehmen müssen die laufende Veränderung im Alltag bewältigen und gleichzeitig bei den entscheidenden ‚Must-win‘-Initiativen Klarheit schaffen. Beides greift vollständig ineinander – und trotzdem braucht es unterschiedliche Herangehensweisen.“
Haggerty erklärt, warum diese Unterscheidung so wichtig ist: „Transformation betrifft nicht nur Strukturen und Prozesse. Das ist zwar ein wichtiger Teil, aber ebenso entscheidend sind Verhaltensweisen und Denkweisen. Starke Führung richtet den Blick auf die Menschen – denn erst durch ihre Akzeptanz wird Veränderung im Unternehmen wirklich wirksam.“
Veränderungen im Geschäftsalltag verlangen vor allem Anpassungsfähigkeit in der Belegschaft. KI verändert tägliche Arbeitsabläufe, regulatorische Anforderungen entwickeln sich weiter und Marktbedingungen verschieben sich. Solche Entwicklungen brauchen eine andere Art von Ressourcenplanung und Steuerung als klar definierte Transformationsprojekte wie ERP-Einführungen oder organisatorische Neuausrichtungen. Unternehmen, die für beides denselben Ansatz wählen, bleiben meist in beiden Bereichen hinter ihren Möglichkeiten zurück.
3. Berücksichtige die Auswirkungen auf Mitarbeitende schon in der Budgetplanung
Die Reihenfolge ist entscheidend. Unternehmen, die die Auswirkungen auf Mitarbeitende bereits in der Projektplanung bewerten – und nicht erst nach der Technologieauswahl –, erstellen realistischere Zeitpläne und vermeiden kostspielige Budgetüberschreitungen in späteren Phasen.
Die Prosci-Forschung zum Reifegrad im Change Management zeigt deutliche Unterschiede je nachdem, wann Change-Management-Maßnahmen beginnen. Unternehmen, die diese Praktiken von Anfang an einbeziehen, erreichen ihre Ziele häufiger als Organisationen, die Change Management erst nachträglich berücksichtigen.
Zusammenhang zwischen dem Startzeitpunkt von Change Management und der Erreichung von Projektzielen
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„In besonders reifen Organisationen sehen wir, dass die Auswirkungen auf Mitarbeitende schon ganz am Anfang der Initiativenplanung berücksichtigt werden“, erklärt Randy Herrera, EVP Global Growth bei Prosci. „Unsere Forschung zeigt außerdem klar: Unternehmen mit einem reifen Change Management erzielen bei ihren Initiativen deutlich bessere Ergebnisse.“
Auf die Frage, was erfolgreiche Führungskräfte in ihrem Planungsansatz anders machen, bringt Haggerty es so auf den Punkt: „Sie denken über Meilensteine hinaus und richten ihren Blick konsequent auf Ergebnisse und Akzeptanz. Immer wieder sehe ich, dass Führungskräfte dann in Schwierigkeiten geraten, wenn sie den menschlichen Faktor bei der Einführung unterschätzen.“
Eine frühzeitige Planung der Einführung hilft, Budgetüberschreitungen und Verzögerungen in späteren Phasen zu vermeiden. Der Business Case dafür ist eindeutig.
4. Führungskräfte als Multiplikatoren für Veränderungskompetenz entwickeln
Die Anforderungen an Führungskräfte gehen heute weit über klassisches Projektmanagement hinaus. Sie bewegen sich in einem Umfeld permanenter Marktveränderungen und steuern gleichzeitig zentrale Transformationsinitiativen.
Die Prosci-Forschung zeigt deutlich, wie stark engagierte Führung den Erfolg von Veränderung beeinflusst. Unternehmen mit aktiver Unterstützung durch die Geschäftsleitung und sichtbarem Sponsoring erreichen bei Veränderungsvorhaben deutlich bessere Ergebnisse als Organisationen, in denen diese Unterstützung fehlt. Führung wirkt dabei nicht nur direkt – sie verstärkt auch die Veränderungskompetenz im gesamten Unternehmen.
Zusammenhang zwischen der Wirksamkeit des Sponsorings und der Zielerreichung
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McGann beschreibt diesen Wandel so: „Als Führungskraft steuern Sie nicht nur den kontinuierlichen Wandel, sondern begleiten zugleich die konkreten Veränderungen in Ihrem Team. Führungskräfte müssen verstehen, dass beides künftig parallel stattfinden wird.“
Auf die Frage, welche Führungsqualitäten in Transformationsphasen besonders entscheidend sind, nennt Haggerty drei zentrale Hebel: „Erstens eine aktive und sichtbare Unterstützung über die gesamte Transformation hinweg. Zweitens den Aufbau einer Koalition, damit klar ist, dass der gewünschte Erfolg nur gemeinsam erreicht werden kann – und nicht in Silos. Und drittens Kommunikation: Warum passiert das? Warum jetzt? Und was passiert, wenn wir nicht handeln? Diese Fragen müssen über verschiedene Phasen und Meilensteine hinweg immer wieder aufgegriffen werden.“
Veränderungsstarke Führungskräfte werden so zu echten Multiplikatoren: Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, mehrere Initiativen parallel wirksam umzusetzen. Auf diese Weise lassen sich Veränderungsfähigkeiten im Unternehmen skalieren, ohne dass die dafür nötigen Ressourcen im gleichen Maß wachsen müssen.
5. Akzeptanz in Echtzeit messen – nicht erst am Ende des Projekts
CFOs richten ihren Blick zunehmend auf den ROI von Transformationen. Was vielen jedoch fehlt, sind belastbare Daten und Kennzahlen, die den Grad der Akzeptanz direkt mit den Geschäftsergebnissen verknüpfen.
„Es ist entscheidend, Akzeptanz im gesamten Unternehmen aufzubauen“, sagt Shelley Pino, CFO bei Prosci. „Wenn die Menschen nicht mitgehen, muss man dauerhaft um Ressourcen und Budgets kämpfen. Das ist keine gute Ausgangslage für wirksame Investitionen.“
Wer Akzeptanz in Echtzeit misst, kann gegensteuern, bevor Probleme eskalieren. Unternehmen erkennen Widerstände früher, passen ihren Ansatz noch während des Prozesses an und können zusätzlichen Nutzen sichtbar machen. So bleibt die Unterstützung durch Führungskräfte erhalten und notwendige Ressourcen lassen sich besser absichern.
Haggerty ergänzt dazu eine wichtige operative Perspektive: „Die Erwartungen an Daten und Kennzahlen zur Messung von Akzeptanz in Echtzeit sind hoch – nicht nur am Ende. Genau das ist eine Schlüsselvoraussetzung für erfolgreiche Transformation. Unternehmen müssen Kennzahlen zu Akzeptanz und Kapitalrendite über den gesamten Lebenszyklus hinweg im Blick behalten und dürfen nicht darauf hoffen, dass sie erst ganz zum Schluss verfügbar sind.“
Verwandeln Sie Veränderungsfähigkeit in einen Wettbewerbsvorteil
Die Unternehmen, die 2026 erfolgreich sein werden, sind jene, die bereits in ihren Planungszyklen 2025 gezielt in Veränderungsfähigkeit investiert haben. Sie haben eine zentrale Erkenntnis verstanden: Beim Aufbau von Veränderungsfähigkeit geht es nicht nur darum, einzelne Projekte besser zu steuern. Es geht darum, organisationale Widerstandskraft aufzubauen – und Unsicherheit in einen echten Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.
Haggerty bringt es so auf den Punkt: „Man braucht bewusst Spielraum für Unvorhergesehenes, denn wir wissen, dass es kommen wird. Nur wann und in welcher Form, wissen wir nicht.“
Das Zeitfenster für die Planung 2026 schließt sich. Die bewährten Methoden und Unternehmenslösungen von Prosci helfen Organisationen dabei, die menschliche Seite des Wandels in einen strategischen Vorteil zu übersetzen.
Diese Erkenntnisse stammen aus Gesprächen mit Randy Herrera (EVP Global Growth), Laura McGann (Chief People Officer), Shelley Pino (CFO), Romona Brown (President, Prosci North America) und Michelle Haggerty (COO), die im September 2025 geführt wurden.